Interview mit Jonathan Ebken von Meifort: „Das Thema Nachhaltigkeit ist nie abgeschlossen.“

Könnten Sie uns die Meifort GmbH & Co. KG kurz vorstellen – was genau machen Sie, was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Wir sind ein familiengeführtes Unternehmen mit Sitz in Dägeling bei Itzehoe und vier weiteren Standorten in Schleswig-Holstein. Meifort ist in der Landtechnik zu Hause: Kern unseres Geschäftsmodells ist der Handel mit Landtechnik – bei Traktoren die Marken Case und Steyr, bei Rad- und Teleskopladern JCB – sowie alles, was zur Landtechnik gehört (Erntetechnik, Anbaugeräte etc.). Dazu kommen die nachgelagerten Servicebereiche Ersatzteilversorgung und vor allem Werkstattdienstleistungen, deren Bedeutung in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Einzigartig ist, dass wir seit der Gründung im Jahr 1861 allen Herausforderungen erfolgreich begegnet sind und als einer der wenigen inhabergeführten Familienbetriebe der Branche bis heute am Markt fest etabliert sind.

Welche Märkte bedienen Sie derzeit – national und/oder international?

Wir sind tatsächlich überwiegend regional tätig. Rund um unsere Standorte in Schleswig-Holstein kann man einen Radius von höchstens 50 km ziehen – das ist unser Einzugsgebiet. International sind wir bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht aktiv. Die lokalen Wirtschaftskreisläufe sind für uns deshalb unglaublich wichtig.

Wie sind Sie auf das Enterprise Europe Network aufmerksam geworden?

Der Kontakt kam über einen Förderlotsen bei der IB.SH zu Stande. Im Rahmen eines Investitionsprojekts hatten wir einen Termin, bei dem uns die Angebote der IB.SH vorgestellt wurden – so auch der Nachhaltigkeits-Check. Wir haben schnell gemerkt: Das passt, also probieren wir es aus.

Welche Rolle nimmt Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen ein?

Nachhaltigkeit ist zentraler Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Ressourceneffizienz spielt unternehmerisch eine große Rolle – von Energieverbrauch über Verbrauchsmaterialien bis zu Spritkosten. Als Familienunternehmen haben wir zudem eine besondere Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden: Familienwerte prägen das tägliche Miteinander, wofür wir sehr viel Zeit und Geld investieren. Ein Beispiel ist die Meifort-Stiftung, gegründet anlässlich des 150-jährigen Jubiläums, die seit knapp 15 Jahren z.B. junge Menschen aus dem ländlichen Raum im Rahmen ihrer persönlichen Aus- und Weiterbildung bei Auslandsaufenthalten, Freiwilligendiensten und Ähnlichem unterstützt.

Wie hat der Nachhaltigkeits-Check (Juli 2024) Ihre Arbeitsweise beeinflusst? Welche Learnings haben Sie mitgenommen?

Wir haben ein ganzheitliches Bild und ein stärkeres Bewusstsein für die Komplexität von Nachhaltigkeit gewonnen. Ideen, wie sich das Thema im Unternehmen verankern lässt und ein Bogen über die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte gespannt werden kann, waren vorher so nicht da – das hat sich klar verändert. Zum Thema Nachhaltigkeit haben wir schon vorher unterschiedliche Initiativen verfolgt, jedoch nur zu speziellen Themen. Der Nachhaltigkeits-Check hat uns aber auch auf andere Themen aufmerksam gemacht, wie etwa die Sensibilisierung der Mitarbeitenden fürs Energiesparen. In diesem Zusammenhang haben wir auch gelernt, wie wichtig die Kommunikation mit unseren Mitarbeitenden hierzu ist. 

Wie messen Sie Ihre Fortschritte in Bezug auf Nachhaltigkeit?

Ein Beispiel ist, dass wir den Energieverbrauch ganzheitlich erfassen und monitoren: Ziel ist es, den jährlichen Verbrauch an jedem Standort um mindestens 15 % zu senken. Umgesetzt wird dies u.a. durch die Umrüstung auf LED-Beleuchtung oder das Einrichten von PV-Anlagen. 

Neben dem Enterprise Europe Network hatten Sie auch Kontakt zu einem weiteren europäischen Netzwerk, dem European Digital Innovation Hub Schleswig-Holstein (EDIH.SH). Wie hat EDIH.SH Ihr Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt?

Wir haben zwei Projekte mit EDIH.SH umgesetzt. Das erste Projekt beschäftigt sich mit Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Unsere Fahrzeugflotte wird seit etwa fünf Jahren schrittweise elektrifiziert, die Auswertung heterogener Ladedaten war administrativ jedoch sehr aufwendig. Gemeinsam mit EDIH.SH haben wir einen Softwareroboter eingeführt, der Umwandlung und Zurechnung der Ladedaten übernimmt. Ohne Einführung des Softwareroboters hätten wir vermutlich nicht so einen hohen Anteil an Elektrofahrzeugen in unserer Flotte. 

Im zweiten Projekt haben wir uns mit dem Thema Cybersecurity beschäftigt. Wir haben festgestellt, dass wir in den letzten Jahren viel in Hardware und Software investiert haben, aber wenig in die Schulung unserer Mitarbeitenden. Mit der Universität zu Lübeck haben wir eine Phishing-Simulation durchgeführt und anschließend zwei Awareness-Schulungen. Das Projekt hat deutlich zu einer Sensibilisierung beigetragen – im Beruflichen wie im Privaten.

Welche Projekte setzen sie aktuell um? 

Unabhängig von EDIH.SH arbeiten wir eng mit der HAW Kiel zusammen, z.B. haben wir zwei Hochschulkooperationen durchgeführt. Der direkte, unkomplizierte Draht zu den Akteuren ist für uns ein echter Vorteil.

Was sind Ihre nächsten Schritte im Bereich Nachhaltigkeit?

Das Thema Nachhaltigkeit ist nie abgeschlossen. Aktuell setzen wir verschiedene Projekte um. Beispielsweise bauen wir unsere Photovoltaikanlagen aus. Wir streben an jedem Standort mind. 30 kWp inkl. Speicher an. Parallel dazu setzen wir die energetische Sanierung unserer Gebäude um, was bei einer gewachsenen Gebäudestruktur nicht immer einfach ist. Ansonsten ist der Ausbau der Elektromobilitätsflotte ein wichtiges Thema. Außerdem versuchen wir, auch in Hinblick auf Digitalisierung, immer weiter Prozesse zu verschlanken und zu automatisieren. 

Was würden Sie anderen KMU raten, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen?

Meiner Meinung nach sollten Unternehmen zu Beginn nicht in zu großen Dimensionen denken – sondern einfach anfangen. Es empfiehlt sich, mit niedrigschwelligen Maßnahmen zu beginnen, bei denen man schnell Ergebnisse sieht. Unternehmen können sich dann immer noch Schritt für Schritt steigern.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Ebken! 

 

Foto: Meifort 2025