Die EIC Masterclass: Skalierungschancen für disruptive Deep Tech-Start-ups nutzen
Wie können innovative Start-ups aus Berlin und Brandenburg die internationale Bühne erfolgreich bespielen? Mit dieser Frage beschäftigt sich Mona Meyer zu Kniendorf, Ansprechpartnerin für Innovationsförderung beim Enterprise Europe Network Berlin-Brandenburg (EEN-BB). Im Gespräch erläutert sie, welche Rolle der European Innovation Council (EIC) und insbesondere der EIC Accelerator dabei spielen – und wie die EIC Masterclass Unternehmen auf dem Weg zur Förderung unterstützt.
Der EIC stärkt Europa als Innovationsstandort
„EIC steht für European Innovation Council, also den Europäischen Innovationsrat“, erklärt Meyer zu Kniendorf. „Er existiert seit 2021 im Rahmen von Horizon Europe und soll ein europäisches Gegengewicht zu starken Innovationsstandorten wie dem Silicon Valley und in Asien schaffen.“ Das zentrale Problem: In Europa ist es schwierig Hochrisikokapital zu bekommen. Die Europäische Kommission möchte die vielversprechenden Start-ups in Europa halten und hat dafür den EIC Accelerator geschaffen.
Der EIC Accelerator – bis zu 12,5 Millionen Euro für Deep Tech-Start-ups
Der EIC Accelerator richtet sich speziell an Deep Tech-Startups, die einerseits ein großes Skalierungspotential haben und andererseits mit hohem technischem Risiko ihr Produkt weiter entwickeln müssen. „Unternehmen können bis zu 2,5 Millionen Euro Förderung und bis zu 10 Millionen Euro Investment erhalten“, erläutert Meyer zu Kniendorf. „Mit der Unterstützung des EIC können Unternehmen zu führenden Scale-ups in Europa heranwachsen.“
Entsprechend hoch sind die Anforderungen, um in das Programm zu gelangen. Gefördert werden Unternehmen, die neue Märkte schaffen oder bestehende grundlegend verändern wollen – also echte Disruption anstreben. Vorausgesetzt wird ein ausgereifter Prototyp oder eine Betaversion der Innovation. „Das Grundgerüst muss stehen, aber es sind durchaus noch längere Entwicklungszeiten vorgesehen“, so die Innovationsexpertin vom EEN.
Bewerben in drei Stufen - 14 erfolgreiche Antragsteller aus Berlin
Sich für den EIC Accelerator zu bewerben ist anspruchsvoll. Im ersten Schritt reichen die Unternehmen einen Kurzantrag mit Pitch-Deck und Video ein. Er wird von vier Gutachtern bewertet, und mindestens drei müssen Ja sagen. „Der Antrag kann jederzeit eingereicht werden, am ersten Dienstag im Monat wird dann begutachtet“, so Meyer zu Kniendorf.
Bei positivem Bescheid folgt der Vollantrag mit detailliertem Arbeits- und Finanzplan. Für das Jahr 2026 sind dafür sechs Deadlines vorgesehen. „Der Vollantrag wurde gerade von 50 auf 20 Seiten gekürzt, aber aufwändig ist er trotzdem“, betont die Expertin. Wenn auch diese Hürde genommen wurde, folgt der dritte Schritt: ein persönliches Interview in Brüssel.
Die Erfolgsquote der Anträge liegt bei rund fünf Prozent. „Es klingt nach wenig, aber es kann gelingen“, sagt Meyer zu Kniendorf. Das beweisen die Zahlen: Seit der Einführung des Programms 2021 haben 14 Unternehmen aus Berlin und eines aus Brandenburg die Förderung erhalten, darunter LiveEO, Myopax und Crocus Labs.
Die EIC Masterclass: gebündelte Expertise für die Start-ups
Um noch mehr Unternehmen aus der Region auf diesen Weg zu bringen, initiierte das EEN-BB 2025 die EIC Masterclass. „Wir wollen dem EIC in Berlin als Start-up-Hauptstadt Europas mehr Push geben“, erläutert Meyer zu Kniendorf. Das Besondere: Die Masterclass führt das EEN-BB gemeinsam mit der nationalen Kontaktstelle EIC Accelerator und mit Mali Baum durch, die Mitglied im EIC-Board ist und selbst erfolgreiche Unternehmerin und Investorin.
Seit Februar 2025 haben fünf Masterclasses mit insgesamt 47 Teilnehmenden stattgefunden. In der EIC Masterclass wird die Antragstellung für den EIC Accelerator Schritt für Schritt erläutert. In den kleinen Runden, in der Regel fünf bis zehn Unternehmen, steht der vertrauliche Austausch im Mittelpunkt.
Fortlaufende Unterstützung für Antragsteller durch das EEN-BB
Das EEN-BB bietet darüber hinaus fortlaufende Unterstützung: „Wir lesen Anträge gegen und bringen unsere Erfahrungen ein - in enger Zusammenarbeit mit der nationalen Kontaktstelle. Wir können kostenlos bei allen Fragen helfen“, betont die Expertin vom EEN. Auch 2026 wird die EIC Masterclass fortgesetzt: „Innovation braucht gute Ideen und die richtigen Partner an der Seite“, so Meyer zu Kniendorf.