Vom Möbel zur Ressource: Wie CIRC&LOV Kreislaufdesign neu denkt

Interview mit Ulrike Acker-Thomsen

 

Wie ist CIRC&LOV entstanden und welche Vision verfolgen Sie?

CIRC&LOV befindet sich aktuell in der Gründungsphase, die Idee entwickeln wir jedoch bereits seit rund zwei Jahren. Unser Ansatz ist es, ausrangierte Möbel – insbesondere aus dem Bürobereich – nicht als Abfall, sondern als wertvolle Ressource zu betrachten.

Im Rahmen von Umbauten, Umzügen und Ähnlichem wird heutzutage häufig ein Großteil des nicht mehr benötigten Bestandsmobiliars entsorgt, verbrannt oder deponiert. Nur selten werden Materialien tatsächlich recycelt. Genau hier setzen wir an: Wir zerlegen Möbel in ihre Bestandteile und entwickeln daraus neue Produkte. Ziel ist es, Ressourcen im Kreislauf zu halten und gestalterisch hochwertig in neue Projekte zu integrieren. 

 

Welche Rolle spielt Kreislaufwirtschaft in Ihrer Arbeit?

Die Kreislaufwirtschaft bildet den Kern unseres Geschäftsmodells. In der Architektur- und Designpraxis wird häufig noch linear gedacht: Neue Möbel werden beschafft, während bestehende Ressourcen unberücksichtigt bleiben.

Wir möchten diesen Prozess verändern und vorhandene Materialien systematisch in neue Projekte integrieren. Dabei verstehen wir unsere Arbeit als eine Form des Remanufacturing: Möbel und Produkte des Innenausbaus werden neu gedacht und gestaltet sowie Materialien in einen anderen Nutzungskontext überführt. 

 

Was hat Sie zur Teilnahme am Sustainable Solutions Match & Pitch motiviert?

Der Kontakt entstand über die Tutech Innovation GmbH. Besonders spannend war für uns die Verbindung von nachhaltigem Design und digitalen Lösungen, da wir aktuell eine Software entwickeln, die unsere Prozesse datenbasiert steuert.

Die Session „Innovating with purpose“ bot zudem eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Akteuren aus der Kreativwirtschaft auszutauschen und gezielt neue Kontakte zu knüpfen. 

 

Wie kam der Kontakt zu internationalen Partnern zustande?

Über die Matchmaking-Plattform konnten wir im Voraus bereits gezielt nach passenden Partnern suchen und sind dabei auf Unternehmen aus Tschechien und Österreich gestoßen. Diese haben wir dann in unserer Session näher kennengelernt und anschließend kontaktiert. Beide stellen hochwertige Platten aus recyceltem Kunststoff her, die sich ideal für den Möbelbau und Innenausbau eignen.

Für uns sind solche Materialien zentral, da wir bestehende Komponenten – wie langlebige Metallgestelle – weiterverwenden und mit neuen, nachhaltigen Materialien kombinieren. Trotz inhaltlicher Überschneidungen bringen die Unternehmen unterschiedliche Stärken und Marktzugänge mit, was die Zusammenarbeit besonders wertvoll macht. 

 

Welche Bedeutung haben diese Partnerschaften für Sie?

Gemeinsam mit den beiden Unternehmen planen wir die Entwicklung erster Prototypen. Perspektivisch möchten wir ein Netzwerk aus europäischen Herstellern aufbauen, die zirkuläre Materialien liefern.

Da jedes Projekt unterschiedliche Anforderungen hat, ist ein flexibles und vielfältiges Partnernetzwerk für uns entscheidend. 

 

Welche Rolle spielt das Enterprise Europe Network für Ihr Unternehmen?

Das Netzwerk hat uns den Einstieg in internationale Kooperationen deutlich erleichtert. Zwar war uns bewusst, dass wir langfristig internationale Partner benötigen, aktiv gesucht hatten wir jedoch zuvor noch nicht.

Umso wertvoller war es, direkt auf für uns passende Unternehmen zu treffen – auch über Deutschland hinaus. Gerade in unserem Bereich sitzen viele relevante Akteure im europäischen Ausland. 

 

Welche nächsten Schritte planen Sie für die Weiterentwicklung von CIRC&LOV?

Aktuell arbeiten wir daran, unser Netzwerk weiter auszubauen, insbesondere um weitere Produktionspartner zu gewinnen und erste Pilotprojekte umzusetzen. Dabei liegt der Fokus weiterhin auf nachhaltigen Materialien für den Interior-Bereich.

Parallel präsentieren wir unsere Arbeit auf verschiedenen Veranstaltungen – unter anderem auf der Milan Design Week, beim German Creative Economy Summit in Hamburg und im Rahmen des Hamburger Architektur Sommers. Dort zeigen wir erste Prototypen und machen das Potenzial zirkulärer Designlösungen sichtbar. 

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Foto: CIRC&LOV 2026