Von Turin nach Flensburg: Internationale Kooperationen für den Weinstall Jensen

Interview mit Mareike Jensen

 

Wie ist der Weinstall Jensen entstanden und was hat Ihr Interesse an internationalen Weinen geprägt? 


Der Weinstall Jensen ist ein Familienunternehmen in zweiter Generation. Meine Eltern haben den Weinhandel 1983 auf unserem Resthof in Flensburg gegründet. Nach dem Abitur habe ich zunächst Betriebswirtschaft studiert und anschließend meine Sommelierausbildung gemacht. Danach konnte ich durch Praktika – unter anderem an der Mosel und auf einem Weingut in Südafrika – weitere Erfahrungen sammeln. 2012 bin ich zurück nach Flensburg gekommen, um in den Familienbetrieb einzusteigen und ihn gemeinsam mit meiner Mutter Marianne Jensen weiterzuführen.

Unser Interesse an internationalen Weinen kommt vor allem daher, dass wir selbst viel in Weinregionen reisen, dort die Weine kennenlernen und die Menschen dahinter. So können wir die Weine hier vor Ort authentischer anbieten, wissen, wie sie erzeugt werden – und können zu den Weinen auch eine Geschichte erzählen. Jede Weinregion in Europa bietet besondere Weine: Rebsorten, Klima, Böden und Traditionen der Weinbereitung unterscheiden sich stark von Region zu Region. Genau das macht Wein für uns so spannend.

 

Welche Erwartungen hatten Sie an das Enterprise Europe Network Hamburg / Schleswig-Holstein beim ersten Kontakt? 


Die WTSH ist auf uns zugekommen. Ich fand das Angebot sehr interessant, im Rahmen einer Company Mission direkt in die Region Piemont zu reisen und dort auf kleine Weingüter zu stoßen. Meine Erwartungen waren entsprechend, dass daraus konkrete Kooperationen entstehen können. Ich kannte solche Formate auch über Handelskammern und hatte damit bereits gute Erfahrungen gemacht. Wichtig war mir außerdem, dass die Veranstaltung vor Ort gut organisiert ist, man alle relevanten Informationen erhält und Ansprechpartner zur Verfügung stehen. 

 

Was hat Sie überzeugt, an einer Company Mission des Enterprise Europe Networks teilzunehmen? 


Mich hat vor allem überzeugt, direkt in die Region zu kommen, Weingüter kennenzulernen, mit Winzern ins Gespräch zu kommen und die Weine vor Ort zu probieren. Das ist für mich viel aussagekräftiger, als Weine nur in Deutschland auf einer Messe zu verkosten. Die Company Mission im Piemont 2024 war sehr gut organisiert. Es hat damit angefangen, dass wir Vorträge zur Region gehört haben: zu den Weinen, zu Rebsorten, Stilistik und auch zu gesetzlichen Besonderheiten in der Weinbereitung. Es gab geführte Fachverkostungen und anschließend die Möglichkeit, an Messeständen zahlreiche Weine aus der Region zu verkosten. 

 

Warum war es für Ihr Unternehmen wichtig, neue Direktkontakte zu kleinen europäischen Weingütern aufzubauen? 


Für uns sind Direktkontakte wichtig, weil wir Weine anbieten möchten, die nicht „in der Masse“ vertreten sind. Wir möchten uns mit einem besonderen Sortiment abheben – mit kleineren, qualitätsorientierten Weingütern, idealerweise Familienbetrieben. Wir veranstalten auch gemeinsam mit den Winzerinnen und Winzern unserer Weine viele Weinevents für unsere Privat- und Firmenkunden Wir arbeiten ausschließlich mit kleineren bis mittelständischen Weingütern zusammen, weil wir diese Wirtschaftsstruktur unterstützen möchten. In solchen Betrieben ist der Inhaber oft gleichzeitig der Winzer – die Weine entstehen mit Handwerk, Liebe und mit einer klaren Handschrift. Es sind Weine, die ihre Herkunft zeigen und individuell sind. 

 

Was hat Sie an den italienischen Weingütern besonders beeindruckt? 


In Italien finde ich immer wieder beeindruckend, wie die Leidenschaft für Wein und Weinanbau auf den Weingütern gelebt wird und wie die Familienmitglieder zusammenarbeiten. Ein Beispiel ist das Weingut Carline de Paolo, mit dem wir seitdem zusammenarbeiten: Dort sind vier Brüder aktiv – einer kümmert sich um die Weinbereitung, einer um die Weinberge, einer führt das Unternehmen und der Vierte hat eine Gastronomie auf dem Weingut. Mir ist es generell wichtig, die Winzerfamilie hinter den Produkten zu kennen und langfristige Partnerschaften aufzubauen. Dieses Weingut hat uns schon mehrfach in Flensburg besucht und seine Weine im Rahmen verschiedener Veranstaltungen präsentiert. 

 

Welchen Einfluss hatte die Company Mission auf Ihr Sortiment?


Durch die Reise sind mehrere Kooperationen entstanden: natürlich mit Carline de Paolo, außerdem mit einem Haselnusslikör-Produzenten, mit dem Weingut Alemat und mit einem weiteren Weingut, von dem wir einen Brachetto führen – ein leichter, fein prickelnder, etwas süßer Rotwein mit 6,5 % Alkohol, der typisch für die Region und ein Nischenprodukt ist. Zusätzlich kamen noch weitere Produkte dazu, die sich aus dem Aufenthalt ergeben haben. Nach der Messe habe ich in Turin einen Grappa-Produzenten entdeckt, von dem wir inzwischen eine sehr große Auswahl führen. Solche Kontakte entstehen oft auch „nebenbei“, weil man vor Ort ist, Restaurants besucht, mit Gastronominnen und Gastronomen spricht und einfach die Augen offenhält.

 

Welche weiteren Aktivitäten mit dem Enterprise Europe Network planen Sie künftig? 


Grundsätzlich haben wir großes Interesse an weiteren Company Missions. Man hat gesehen, wie viel sich aus der Reise ins Piemont für unser Geschäft entwickelt hat. Wir hatten zwar schon internationale Weine im Sortiment, aber vor Ort in Kontakt mit kleinen Betrieben zu kommen und die Region direkt zu erleben, ist natürlich immer eine großartige Gelegenheit, das Sortiment weiter auszubauen.

 

Vielen Dank für das Gespräch! 

 

Foto: Weinstall Jensen 2026